Was 2020 als gemeinsamer Kraftakt von sechs Verkehrsunternehmen aus Österreich und Deutschland begann, erreicht mit der Präsentation des ersten TramTrain-Fahrzeugs für Oberösterreich einen weiteren wichtigen Meilenstein. Im Rahmen des internationalen Beschaffungskonsortiums hat die Schiene OÖ 20 TramTrain-Fahrzeuge bestellt – mit einer Option auf weitere 50 Fahrzeuge für das Regional-Stadtbahn Linz Projekt. Den Auftrag erhielt der Schweizer Hersteller Stadler Rail. In dessen Produktionswerk in Valencia/Spanien werden die TramTrain-Fahrzeuge nach modernsten Standards konstruiert und gefertigt. Die ersten Fahrzeuge im Regional-Stadtbahn-Design sollen zunächst auf der Strecke der Linzer Lokalbahn (LILO) zum Einsatz kommen. Verlaufen die Tests wie erwartet positiv und kommt das Genehmigungsverfahren zügig voran, steht einer fahrplanmäßigen Jungfernfahrt spätestens 2027 auf der LILO nichts mehr im Wege.
Im Jänner 2022 bekam das Schweizer Unternehmen Stadler Rail von einem deutsch-österreichischen Projektkonsortium, an dem für Oberösterreich auch die landeseigene Schiene OÖ beteiligt ist, den Auftrag zur Herstellung von mehr als 500 TramTrain-Fahrzeugen. Das weltweit einzigartige Projekt mit einem Auftragsvolumen von über 4 Mrd. Euro bringt den am Projektkonsortium beteiligten Auftraggebern hohe Skaleneffekte und eine lange Einsatzdauer der Fahrzeuge. Mit der Präsentation des ersten TramTrain-Fahrzeugs in Eferding startet eine intensive Testphase, wo es auf Herz und Nieren für den späteren Einsatz auf der LILO-Strecke geprüft und getestet werden soll. Diese intensiven und technisch anspruchsvollen Tests werden zusammen mit dem OÖVV Verkehrsverbundunternehmen Stern & Hafferl Verkehr, den ÖBB und den österreichischen Behörden durchgeführt.
Intensive Testphase startet
Neben Hebe- und Aufgleiserprobungen – bei denen ein entgleistes Fahrzeug simuliert und mithilfe von Eingleiswerkzeugen wieder korrekt auf die Schienen gesetzt wird – werden auch Bremsmessfahrten sowie Not- und Zwangsbremsmanöver durchgeführt. Zudem werden die Funktionstüchtigkeit der WC-Anlagen sowie das Zusammenwirken der Ver- und Entsorgungssysteme überprüft. Störstrommessungen, elektromagnetische Verträglichkeitstests und weitere technische Prüfungen ergänzen das umfangreiche Testprogramm. Verlaufen die Tests wie erwartet positiv und schreitet das Genehmigungsverfahren zügig voran, steht einer fahrplanmäßigen Jungfernfahrt spätestens 2027 auf der LILO nichts mehr im Wege.
„Die Präsentation des ersten TramTrain-Fahrzeugs ist ein sichtbarer Meilenstein für die Regional-Stadtbahn und für die Zukunft der Mobilität in Oberösterreich. Mit dem neuen TramTrain wird sichtbar, was die Regional-Stadtbahn sein wird: eine moderne, schnelle und komfortable Verbindung zwischen Stadt und Region. Oberösterreich investiert damit konsequent in eine Mobilität, die wirtschaftliche Stärke, Lebensqualität und Klimaschutz genauso wie Stadt und Regionen miteinander verbindet.“ Thomas Stelzer, Landeshauptmann
„Die Ankunft des ersten TramTrains markiert einen zentralen Meilenstein für das Regional-Stadtbahn-Projekt und für die Mobilität in Oberösterreich insgesamt. Mit diesem Fahrzeug bringen wir modernste Technik auf die Schiene und schaffen eine attraktive, barrierefreie und nachhaltige Alternative für den Öffentlichen Verkehr in Oberösterreich. Was 2020 als gemeinsames Vorhaben mehrerer Verkehrsunternehmen begann, nimmt nun auch in Oberösterreich konkrete Gestalt an – und macht deutlich, wie wichtig mutige Entscheidungen und konsequente Umsetzungsschritte für die Zukunft der Mobilität in Oberösterreich sind.“Günther Steinkellner, Landesrat für Mobilität und Infrastruktur
„Die Präsentation des ersten TramTrain‑Fahrzeugs ist ein starkes Signal für den Fortschritt des Regional‑Stadtbahn Projekts. Dass das Fahrzeug nun in Eferding für Tests und zur Besichtigung bereitsteht, markiert einen Meilenstein, auf den wir gemeinsam mit unseren Partnern und dem Hersteller Stadler Rail mit großem Engagement hingearbeitet haben. Dieses Fahrzeug steht für Verlässlichkeit, Komfort und technologische Innovation – und zeigt, was möglich wird, wenn Planungsqualität, moderne Fahrzeugtechnik, Ingenieur-Know-how und ein klares Zukunftsbild zusammenkommen. Mit dem Start der Test‑ und Erprobungsphase rücken wir einen bedeutenden Schritt näher an umsteigefreie, schnelle Verbindungen zwischen Stadt und Umland und an einen neuen Standard für den Öffentlichen Verkehr in Oberösterreich.“Sonja Wiesholzer, Geschäftsführerin Schiene OÖ
„Mit dem TramTrain kommt erstmals ein Fahrzeug nach Oberösterreich, das Stadt- und Regionalverkehr verbindet – es kann sowohl als Straßenbahn als auch auf Haupt- und Nebenbahnen eingesetzt werden. Damit steht es für eine neue, flexible Form moderner Mobilität. Dass das erste TramTrain-Fahrzeug Österreichs auf der Linzer Lokalbahn zum Einsatz kommt, macht uns besonders stolz. Die LILO wird damit zum Ausgangspunkt für eine neue Generation des öffentlichen Verkehrs, die Stadt und Region noch enger zusammenbringt.“Günter Neumann, Geschäftsführer Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft
„Wir erleben hier eine ganz neue Generation des öffentlichen Verkehrs - mit unseren TramTrain Fahrzeugen werden zwei Verkehrswelten miteinander verbunden. Durch die Vorteile von Straßenbahn und S-Bahn in einem System werden direkte, umsteigefreie Verbindungen zwischen Stadtzentrum und Umland ermöglicht. Dies spart nicht nur Zeit für die Pendlerinnen und Pendler, sondern auch wertvolle Ressourcen für die Betreiber. Genau dieser Mehrwert macht das Konzept für moderne Mobilitätsnetze so interessant. In diesem internationalen Projekt ist es gelungen, die Anforderungen von sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich in einer gemeinsamen Fahrzeugplattform zu bündeln. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das neue Maßstäbe setzt und dabei höchsten Komfort, Zuverlässigkeit und Effizienz mitbringt.“ Christian Diewald, Geschäftsführer Stadler Austria
„Ich freue mich sehr, dass wir hier am zukünftigen Einsatzort das erste Fahrzeug für die Schiene OÖ präsentieren dürfen. Besonders hervorheben möchte ich, dass wir mit diesem Projekt erstmals international beschaffen: Fahrzeuge werden für deutsche und österreichische Betreiber gemeinsam entwickelt, gefertigt und in Betrieb gesetzt – ein echter Meilenstein für den ÖPNV. Dabei harmonisieren wir nicht nur Anforderungen zweier nationaler Systeme, sondern auch die Welten von Straßenbahn und Eisenbahn. Dass wir hierfür einen gemeinsamen, konfigurierbaren Standard schaffen konnten, zeigt eindrucksvoll, was durch partnerschaftliche Zusammenarbeit möglich ist. Ebenso stolz bin ich auf die herausragende Kooperation zwischen allen beteiligten Betreibern und unserem Fahrzeughersteller Stadler. Gemeinsam haben wir bewiesen, dass dieses Modell selbst unter komplexen Rahmenbedingungen erfolgreich realisierbar ist.“ Thorsten Erlenkötter, VDV- TramTrain Gesamtprojektleitung
VDV-TramTrain-Baukastensystem
Das VDV-TramTrain-Projekt basiert auf einem standardisierten, modular aufgebauten Baukastensystem, das den sechs beteiligten Verkehrsunternehmen ermöglicht, Fahrzeuge auf einer gemeinsamen technischen Plattform zu beschaffen und dennoch individuell an ihre betrieblichen Anforderungen anzupassen. Zur Sicherstellung der unterschiedlichen Anforderungen der beteiligten Partner wurde ein Grundmodell konstruiert, welches in weiterer Folge in mehreren Varianten ausgebaut wird
Zentrale Merkmale des Baukastensystems sind:
- Einheitliche technische Plattform
Alle Fahrzeuge basieren auf derselben Grundplattform – beispielsweise 37 m Länge, 2,65 m Breite und eine modulare, barrierefreie Citylink‑Fahrzeugarchitektur
- Modulare Ausstattung für unterschiedliche Betreiberanforderungen
Trotz Standardisierung können die Fahrzeuge betreiberspezifisch konfiguriert werden – etwa bei Mehrzweckbereichen, Innenraumgestaltung, technischen Systemen oder Zulassungsanforderungen.
- Kostenvorteile durch große Stückzahlen
Der Baukasten ermöglicht gemeinsame Beschaffungsabläufe, wodurch signifikante Skaleneffekte entstehen. Höhere Stückzahlen, einheitliche Komponenten und lange Verfügbarkeiten reduzieren die Fahrzeuggesamtkosten deutlich.
- Vereinfachte Instandhaltung über Jahrzehnte
Durch standardisierte Baugruppen ist eine langjährige, effiziente Instandhaltung möglich – der Rahmenvertrag umfasst bis zu 32 Jahre Zusammenarbeit.
- Zukunftsorientierte Weiterentwicklung
Das Baukastensystem fördert technologische Innovation und schafft eine gemeinsame Grundlage für Verbesserungen in Komfort, Zugänglichkeit und Energieeffizienz – ein zentraler Bestandteil des VDV‑Standardisierungsansatzes.
Personal und Fahrgäste im Fokus der Fahrzeugentwicklung
Besonderer Fokus wurde während der Entwicklung daraufgelegt, dass das Fahrzeug nicht nur den Fahrgästen bestmöglichen Komfort bietet, sondern auch optimal auf die Bedürfnisse der Fahrerinnen und Fahrer abgestimmt ist. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem ergonomische Aspekte, eine übersichtliche Anordnung der Bedienelemente, die blendfreie Sichtbarkeit der Monitore sowie die Sichtverhältnisse aus dem Fahrerstand.
Umfangreiche Tests, u.a. an Mock-ups, stellten für die Bestellorganisationen sicher, dass Fahrzeuge entstehen, die den Anforderungen und Erwartungen beider Gruppen in jeder Hinsicht gerecht werden – von der ergonomischen Gestaltung bis hin zur Bedienbarkeit
Komplexer Transportweg von Valencia nach Eferding
Rund 620 Straßenkilometer, 1.500 Kilometer auf hoher See und 890 Kilometer auf der Schiene hat das TramTrain‑Fahrzeug von Valencia über Bilbao und Antwerpen zurückgelegt, bevor es erstmals oberösterreichischen Boden erreicht hat. Die Logistik hinter dieser Lieferkette stellte sich als ein komplexes Vorhaben heraus, das viel Know-how und Fingerspitzengefühl erforderte. Im Stadler-Werk in Valencia wurde das mehr als 37 Meter lange TramTrain-Fahrzeug zunächst über eine spezielle Rampe auf einen Satteltieflader verladen. Anschließend erfolgte der Straßentransport vom Werk in Valencia bis zum Hafen von Bilbao. Im Hafen von Bilbao ging es anschließend weiter zu Wasser, wo das Fahrzeug über den internationalen RoRo-Knotenpunkt („Roll-on/Roll-off“) mit der Fähre nach Antwerpen (Belgien) gebracht wurde. In Antwerpen angekommen, wurde der TramTrain mittels einer Seilwinde vom Spezialtieflader auf die Schiene gezogen. Von dort erfolgte der weitere Transport durch Schleppen mit einer Lok und dem notwendigen Kuppel- und Bremswagen auf eigenen Rädern zunächst bis nach Wels. Von dort wurde der Transport durch eine Lokomotive des OÖVV Verkehrsverbundunternehmens Stern & Hafferl Verkehr bis nach Eferding begleitet.
Aufgrund des großen Interesses: Neue Besichtigungstermine für das erste TramTrainFahrzeug am 17.03. und 18.03 in der Stern & Hafferl Verkehr Bahnwerkstätte Eferding
Mit der Ankunft des neuen TramTrains bietet sich in Eferding erstmals die Möglichkeit, das moderne Fahrzeug aus nächster Nähe zu besichtigen. Interessierte können sowohl den Innenraum als auch das Außendesign des Fahrzeugs erkunden, sich zur Probe hineinsetzen und einen Eindruck vom zukünftigen Komfort- und Qualitätsstandard gewinnen. Am 17.03. und 18.03.2026 - jeweils 15:00 bis 19:00 Uhr - stehen zudem Expertinnen und Experten aus Fahrzeugtechnik und Betrieb vor Ort für Fragen zur Verfügung und geben Einblicke in Funktionen, Ausstattung und den weiteren Ablauf bis zur Inbetriebnahme. Bei Interesse an einer Führung wird um vorherige Anmeldung gebeten. Aufgrund des großen Interesses wurden zusätzliche Termine für Interessierte freigeschalten.
Eigenschaften der TramTrain-Fahrzeuge:
Die TramTrain-Fahrzeuge sind modulare, barrierefreie Stadtbahnfahrzeuge (Light rail), die speziell für die Verbindung des Stadtzentrums umsteigefrei mit dem Umland entwickelt wurden, um den Fahrgästen eine komfortable und umsteigefreie Fahrt zu bieten. Diese Zweisystem-Stadtbahnen können auf Strecken mit 750 V Gleichstrom und auf mit 15 kV / 16,7 Hz Wechselstrom fahren. Sie können aufgrund ihrer Eigenschaften sowohl als Straßenbahnen oder als Eisenbahnfahrzeug eingesetzt werden. Jedes Zweirichtungsfahrzeug hat drei Wagenteile und vier Drehgestelle. Der Zugang zum Fahrzeug ist an 550-mm-Bahnsteigkanten barrierefrei. Vier Türen auf jeder Seite ermöglichen schnelles Ein- und Aussteigen. Der Innenraum bietet 94 komfortable Sitzplätze (teilweise mit Klapptischen und Armlehnen) und 134 Stehplätze. Der helle, geräumige, stufenlose und klimatisierte Fahrgastraum verfügt über einen großen Mehrzweckbereich mit Platz für Fahrräder und Kinderwägen sowie zwei reservierte Bereiche für Rollstuhlfahrer in Queraufstellung.
- 94 Sitzplätze und 134 Stehplätze (2 Rollstuhlplätze)
- 2-Systemfahrzeug (750 V DC in der Stadt und auf der LILO-Strecke und 15 kV 16,7 Hz zur Fahrt im ÖBB-System)
- Moderne Zugsicherungssysteme zur Fahrt auf ÖBB- und Regionalbahnstrecken
- Stufenlose Einstiege mit selbstständig ausfahrendem Schiebetritt (an Bahnsteigen der Regional-Stadtbahn, der ÖBB und bei den modernisierten Haltestellen der LILO)
- Komfortable Bestuhlung
- Klimaanlagen für Fahrerplatz und Fahrgastraum
- Mehrzweckbereiche für Fahrräder, Kinderwägen, Rollstühle
- USB-C-Steckdosen
- Barrierefreies, geschlossenes Toilettensystem
- LED-Innen- und Außensignalisierung und -beleuchtung
- Videokameras zur Innen- und Außenbeobachtung
- Brandmeldeanlage
- Batterie-Notfahrt für Werkstätten und kleine Störungen
